Medien 4.0: Wie Mensch und Maschine künftig Nachrichten produzieren

May 27 2015

AX Semantics läutet mit semantischer Softwarelösung ein neues Zeitalter ein

In der Medienlandschaft ist die Zukunft bereits Gegenwart. Schon heute liefern Maschinen Textentwürfe für Redaktionen und sorgen auf diese Weise für Entlastung, Vielfalt und Qualität. Softwarelösungen zapfen Datenbanken an und strukturieren mithilfe eines Algorithmus alle relevanten Informationen zu einem Nachrichtentext. Analog zur "Industrie 4.0" arbeiten auch beim Medien 4.0-Prozess Mensch und Maschine "Hand in Hand". Beide ergänzen sich und profitieren dabei von den gegenseitigen Stärken. Was wie Zukunftsmusik klingt, spielt für viele Redaktionen bereits eine zunehmend wichtige Rolle. Längst kommen entsprechende Lösungen in den Medienhäusern zum Einsatz. So auch die Software AX Semantics. Mit der Freigabe der Lösung für eine begrenzte Anzahl an Entwicklern läuten die Stuttgarter Medien 4.0-Pioniere ein neues Zeitalter für die maschinengestützte Nachrichtenproduktion ein.

Der Henry Ford der Textproduktion

"Wenn wir die Menschen fragen würden, was sie sich in der Medienlandschaft wünschen würden, würden Sie wahrscheinlich sagen: mehr Redakteure", so Geschäftsführer Saim Rolf Alkan in Anlehnung an ein geflügeltes Wort von Henry Ford. Die Realität sieht indes ganz anders aus: Stellenabbau, Zusammenlegung von Redaktionen und das Verschwinden traditionsreicher Zeitungs- und Zeitschriftentitel bestimmen derzeit das Bild. Händeringend suchen Verleger und Medienmacher nach Lösungen, die einerseits die Qualität ihrer Publikationen erhalten oder gar verbessern, andererseits aber auch – und das dürfte hierfür die Voraussetzung sein – die Redaktionsabläufe effizienter gestalten und Redakteure so entlasten, dass sie mehr Zeit für Recherche und gute Geschichten haben. Was auf den ersten Blick nicht zusammenpassen will, lässt sich im Zeitalter von Big Data und Automatisierungsprozessen im sogenannten Medien 4.0-Prozess inzwischen mit intelligenten, selbstlernenden Tools realisieren. "Mit unserer Lösung wollen wir der Henry Ford der Textarbeiter werden und die Textproduktion effektiv und skalierbar machen", umschreibt Alkan den eigenen Anspruch.

Der Medien 4.0-Prozess

Ausgangspunkte für den Medien 4.0-Prozess sind verschiedene Datenquellen. Diese liefern strukturierte Informationen wie Wetterdaten, Sportergebnisse, Börsen- oder Handelsdaten. Mithilfe der semantischen Textsoftware AX Semantics werden die entsprechenden Daten sortiert und gefiltert. Hier erkennen die Maschinen durch selbstlernendes Datamining Strukturen in den Daten. Aus den zusammengetragenen relevanten Daten wird der Artikel automatisch formuliert. Die Redaktion kann hierfür ein Layout und Design vorgeben, sodass am Ende Umfang und Struktur – wie Überschrift, Zwischenüberschriften, Anzahl der Absätze oder Länge des Artikels – dem gewünschten Medienformat entsprechen. AX Semantics kann Texte auf diese Weise gegenwärtig in elf verschiedenen Sprachen erzeugen. Danach folgt die Veredelung durch den Journalisten, das heißt der Text wird, sofern überhaupt nötig, mit zusätzlichen Informationen, Bildern oder Grafiken angereichert. Zudem wird er lektoriert und für die Veröffentlichung vorbereitet. Diese erfolgt – zeitgleich oder zeitversetzt – mehrsprachig und kanaladäquat in den unterschiedlichen Ausgabemedien.

Was leistet die Maschine für Redaktion und Medium?

Im Medien 4.0-Prozess wird die Redaktion entlastet. Routineaufgaben wie Berichte über Wetter oder Verkehr übernimmt die Maschine. Das Resultat sind leserorientierte, verständliche und lesenswerte Texte. "Heutzutage sind automatisch generierte Text kaum von Texten, die von Menschen geschrieben werden, unterscheidbar. Im Vergleich zu von Menschen geschriebenen Texten werden Sport- und Finanzartikel sogar als leicht objektiver und verständlicher wahrgenommen", so Mario Haim, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. Damit bleibt der Redaktion mehr Zeit für anspruchsvollen Qualitätsjournalismus. Zeit kann auch bei der Recherche gespart werden. Die Software sichtet und filtert große Datenbestände der wichtigsten Ereignisse. Daraufhin werden Texte vorbereitet und vom Redakteur editiert. Auch Nischenthemen können so besser bedient werden: Bisher nicht geschriebene Artikel für kleinste Lesergruppen sind produzierbar, weil die Kosten niedriger sind. Texte für jeden einzelnen Leser durch millionenfache Individualisierung und Lokalisierung schaffen Möglichkeiten der Monetarisierung. Dazu gehört auch eine Sprachenvielfalt, mit der die Reichweite erhöht und größere Werbeeinnahmen erzielt werden können.

Weiterentwicklung mit Unterstützung der Redaktionen

Der Sport-Informations-Dienst (sid) nutzt, wie einige andere große deutsche Medien- und Verlagshäuser, AX Semantics bereits. Der sid produziert so die Ankündigungen von Sportveranstaltungen. Der Medien 4.0-Prozess ist folglich schon im vollen Gange. Derzeit bietet AX Semantics ihre Programmiersprache ATML3 in einer geschlossenen Betaphase an. Dort hat ein begrenzter Kreis von Programmierern die Möglichkeit, die Software für seine Belange zu testen und anzupassen. "Wir wollen hier Hand in Hand mit den Redaktionen arbeiten, um in Sachen Datenquellen und Formate noch hinzuzulernen. Gleiches gilt aber auch für unsere semantische Software, die auf diesem Weg ebenfalls lernt", erläutert Frank Feulner, verantwortlich für die Weiterentwicklung der Software, den Hintergrund. Bewerbungen hierfür sind noch möglich.

Großes Interesse in den USA

Wie so oft bei Technologiethemen spielen die USA auch in Sachen Medien 4.0 und Roboterjournalismus eine Vorreiterrolle. Hier lässt sich nicht nur die "Geburtsstunde" des Roboterjournalismus im vergangenen Jahr verorten, als die Los Angeles Times mithilfe eines selbstprogrammierten Bots nahezu in Echtzeit über ein Erdbeben berichtet hat. AX Semantics konnte hier auch viele Verlage und Investoren begeistern. Spätestens seit dem Auftritt als eines von nur vier ausgewählten, deutschen Unternehmen bei der START-Veranstaltung der Collision Conference, einer der größten Konferenzen für digitales Business in Las Vegas, ist das Interesse an der Lösung, die inzwischen 11 Sprachen beherrscht, außerordentlich.

Die folgende Infografik illustriert den Medien 4.0-Prozess: alt text

Category: Press Tagged: news media40 presse journalismus

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